default_mobilelogo

1995-2003

„... Einen Schritt über dieses Bezugssystem hinaus geht die Saarbrücker Künstlerin Henrike Kreck mit ihren Körperabdrücken. Alle wesenhaften Anliegen und Fragen des Portraits werden in ihren Bildern thematisiert. Es sind von der Technik her gesehen Fotogramme von Körpern, genauer gesagt handelt es sich um Selbstportraits. Kreck fertigt mittels Transparentabdrucken eine eins zu eins Matrize ihres nackten oder mit Unterwäsche bekleideten Körpers an. Diese Abdrucke werden manuell weiter bearbeitet und danach als Fotogramme belichtet. Es findet somit ein mehrschichtiger und reflektierter Prozeß statt, der trotz aller Erkennbarkeit der künstlerischen und handwerklichen Arbeit immer noch einen hohen Grad an unmittelbarer Anwesenheit des Körpers besitzt. Wie bei Holthusen wollen wir diese Körper begreifen, um uns ihrer Existenz zu vergewissern, doch sie existieren nur im Medium. Diese Art des Portraits ist im Vergleich zu den vorhergehenden das medienkritischste, denn es spielt die Ambivalenz der Fotografie, sowohl Abbild als auch Trugbild zu sein, in technisch perfekten Bildlösungen aus, wobei die gewollte materielle Sinnlichkeit in der Rafinesse der Materialbehandlung nicht verloren geht. Krecks und Holthusens mediale Grenzüberschreitungen geben somit visuelle Anregungen zum Weiterdenken und zur Vervollständigung des Menschenbildes in der Phantasie der Betrachter. Ob dies nun mittels computerunterstützter Hochtechnologie geschieht oder auf einem eher „alchemistischen“ Weg, bleibt letztlich zweitrangig, wichtig ist in erster Linie, dass der Begriff des Portraits durch eine konzeptionelle und künstlerische Herangehensweise im Sinne von Floris M. Neusüss erweitert wurde und es sich nicht um eine Visualisierung des Begriffes mit fotografischen Mitteln handelt. ...“


Aus „Lehrjahre Lichtjahre“, Die Münchner Fotoschule 1900-2000, Prof. Dr. Gerhard Glüher

Von einem nackten oder bekleideten Körper wird ein Abdruck auf einer transparenten Matrize hergestellt. Diese Vorlage dient im darauffolgenden Belichtungsprozeß als Vorlage für das Fotogramm. Die so entstandenen Figuren werden durch den Vorgang des Abdruckens und der darauffolgenden Präparation zu plastischen Körpern, die im Fotogramm wie Lichtgestalten aus dem Dunkel hervortreten. Gleichsam wie bei einer Häutung werden alle Poren der nackten Haut auf das Fotopapier transferiert und setzen sich zu neuen Körpern zusammen, die sich durch den Abdruck sowohl zur Karikatur ihres Originals, als auch zu einer idealisierten und sinnlichen Darstellung verwandeln. Original und Abdruck stimmen nicht zwangsläufig überein. Der Vorgang des Abdrückens eines Körpers auf Folie wird zu einem Rollenspiel, in dem aus einer unscheinbaren Folie ein plastischer Körper wird, der aus einem Licht und Schatten illusionierenden Raum tritt und dem Betrachter simuliert es handele sich um eine fotografische Aufnahme. Die Figuren treten aneinandergereiht in Beziehung zueinander und wirken wie im Tanz eingefrorene Körper, die an archaische Fresken erinnern.